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Kulturgeschichte der Kreativität

In der frühen Antike herrschte die Vorstellung vor, dass Inspiration und das Erschaffen von Neuem das Ergebnis göttlichen Eingreifens sind.[13] In der griechischen Mythologie wird Schöpfung mit chaotischen und zerstörerischen Aspekten in Verbindung gebracht.[14]Ähnliche Vorstellungen finden sich in der Bibel, im Hinduismus und Konfuzianismus. Auch in der Moderne findet sich die Vorstellung einer Dialektik von Ordnung und Chaos. So sagt Nietzsche in „Also sprach Zarathustra“: „Man muss noch Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern zu gebären“. Plato war der Ansicht, dass es nicht möglich ist, etwas vollständig Neues zu erschaffen.[15] Zu seiner Zeit wurde die Aufgabe von Kunst darin gesehen ein Ideal nachzuahmen oder sich ihm zumindest anzunähern.[15] In der Spätantike trat der Bezug auf das Göttliche in den Hintergrund und Kreativität wurde eher mit dem ‚Daimon‚ oder ‚Genius‚ einer kreativen Person in Verbindung gebracht.[13] Im Mittelalter wurde bedingt durch religiöse Einflüsse erneut der göttliche Aspekt von Inspiration hervorgehoben.[13] In der Periode des Sturm und Drang wurde der Genie­begriff aus der antiken Vorstellung der Führung durch einen Genius wieder aufgegriffen und weiter entwickelt. Das Genie wurde einerseits als neue Formen erschaffender Heros, der unbewussten Eingebungen folgt, gedacht. Es ist aber auch dunklen und chaotischen Leidenschaften unterworfen. Nach der Korrumpierung des Geniebegriffs durch „geniale“ Despoten des 20. Jahrhunderts[16] wurde der Begriff obsolet und durch „Kreativität“ ersetzt.