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Kreativitätsblockaden

Impulse aus der Umwelt (Erziehung, Ausbildung, Arbeitsklima etc.), führen oft zu Verhaltensweisen, die das kreative Potential hemmen oder sogar blockieren. Wissenschaftler wie z. B. Edward de Bono (1992), Howard Gardner (1997), Mark Runco (2007), Teresa Amabile (2008) und Shelley Carson (2010) haben typische Kreativitätsblockaden aufgezeigt:

  • Strikte Zielorientierung, starre Lösungswegfixierung und Methodismus im Sinne der Bindung an etablierte Problemlösungsrituale – Die mechanische Vorgehensweise bei der Problemlösung und das Handeln nach vorgeprägtem Ritual hält davon ab, nach effizienteren Vorgehensweisen Ausschau zu halten oder neue Lösungen auszuprobieren.
  • Angst vor Versagen / Misserfolg, Fehlerängstlichkeit – In unserer Kultur besteht ein schlechtes Verhältnis zu Fehlern (siehe FehlerkulturLernen aus Fehlern). Laut Pohl (2011) gibt es ohne Fehler keine Weiterentwicklung; Fehler implizieren die Chance auf Neues (siehe VeränderungsmanagementKaizen).
  • Bewertungsängste – Wenn Personen Angst vor Bewertungen ihrer Person oder ihrer Idee haben, leidet ihre Kreativität darunter.[31]
  • Schwache Bindungen zwischen Betroffenen, die kreativ sein wollen – Schwache Bindungen mit begrenztem Wissen und soziale Distanz hemmen die Kreativität.[32]
  • Leistungsdruck, Erfolgsorientierung – Hohe Leistungsforderungen kommen meist von außen (z. B. von Vorgesetzten, Kollegen, Mitarbeitern). Starke Erfolgsfixierung kann dazu verleiten, sich eher auf sicherem, bekanntem Terrain zu bewegen; sie führt selten zu neuen Ideen.
  • Zeitdruck – kann förderlich und/oder hinderlich sein: Wenn man (zu) wenig Zeit zum (rationalen) Denken (Analysieren, Abwägen u. ä.) hat, kann dies kreative Ideen begünstigen (wenn spontane Einfälle zugelassen werden). Stress kann stimulierend wirken, oberhalb des Optimums kann er den Wahrnehmungs- und Handlungsspielraum aber einengen. Enge Zeitvorgaben können das Reifen von Ideen auch verhindern und negativen Stress verursachen. Sie können Menschen veranlassen, sich zu überarbeiten; Überarbeitung kann körperliche (z. B. Bluthochdruck) und seelische Folgen haben (z. B. Burnout-Syndrom).
  • Perfektion – Zu Perfektionismus neigende Menschen wollen Probleme besser lösen als andere. Mögliche Motive dafür sind Angst und ein starker Wunsch nach Anerkennung. Perfektion kann andere Menschen verunsichern und sie ängstigen. Perfektionisten setzen sich (und manchmal auch andere) unter Druck.[33]
  • Gedankliche Schranken – Vielfach behindern individuelle Befindlichkeiten (Werte, Normen etc.), alte Glaubenssätze („das macht man nicht …“ usw.) oder vermeintliche äußere Schranken innovative Ideen bzw. den Ideenfluss. Glaubenssätze stammen z. B. aus Erziehung und Religion. Es wird am Althergebrachten festgehalten. Im schlimmsten Fall führt das zu einem selbst auferlegten Denkverbot, der „Schere im Kopf“, die Ideen und Lösungen schon beim Entstehen verwirft, weil an mögliche negative Konsequenzen gedacht wird. Es gilt als bei kreativen Prozessen hilfreich, Ideen ungefiltert zu produzieren und diese nicht zu früh zu bewerten bzw. zu verwerfen (Trennung von Ideengenerierung und Ideenbewertung).[34]
  • Ideenäußerung der anderer Teammitglieder – Durch die Kommentare und Ideen von anderen kommt es zu eigenen Produktionsblockaden, da die eigene Ideenfindung unterbrochen wird, oder die Ideen vergessen werden.[31]
  • Soziales Faulenzen – Die einzelnen Teammitglieder sind bei einfachen Aufgaben zur Ideengenerierung weniger kreativ, weil die Einzelleistung unbekannt ist.[31]
  • Negative Einstellung – Positive Sichtweisen erleichtern es, offen auf die Umwelt zuzugehen.
  • Die Überzeugung, nicht kreativ zu sein – Selbstbewusstsein und Reflexions­fähigkeit sind Merkmale kreativer Menschen. Nicht umgesetzte oder abgelehnte Ideen können Verunsicherung bewirken. Kreative Kompetenz kann trainiert werden.
  • Starker Netzwerkzusammenhalt – Dieser kann divergentes Denken (mit vielen Alternativmöglichkeiten, die zu neuer Kreativität führen) hindern, da man nach einer schnellen Lösung strebt.[35]
  • Konformitätsdruck – Wir werden zu einem gewissen Konformismus erzogen, denn Anpassung und Angleichung an gesellschaftliche Normen ist für deren Funktionieren notwendig. Konformität kann Denken und Handeln einengen.
  • Gruppendenken – Erstens werden dadurch ausgetauschte Informationen eher redundant, da alle sich „das gleiche erzählen“ und scheinbar „das gleiche wissen“. Zweitens wird durch das Gruppendenken der soziale Druck bei der Ideenfindung erhöht. Dabei kann der soziale Druck dazu führen, dass die betroffenen Personen eine schnelle Lösung finden sollen, welche von der Gruppe akzeptiert wird, anstatt nach originellen und kreativen Ideen zu suchen.[35]
  • Keine Autonomie – Wenn man jedoch autonom arbeiten kann, ist man freier von Bürokratie und anderen Verantwortungen, die Innovationsprozesse und damit Kreativität unterbrechen.[36]
  • Zweiteilung zwischen Arbeit und Spiel – Das Trennen zwischen „hier die Arbeit“ und „dort das Vergnügen bzw. Spiel“ kann ein Nachteil sein. Spielerisches Ausprobieren kann die Entwicklung von Neuem begünstigen (siehe Kreativitätstechniken).