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Die kreative Person

Zu den Merkmalen kreativer Menschen :

Persönliche Eigenschaften Kognitive Flexibilität Arbeitsstil
kulturelle Werte schätzen komplizierte Sachverhalte verstehen freundlich
Interesse an komplizierten Fragestellungen nicht gleich urteilen ermunternd
Engagement und Leistungswille mehrdimensional denken herausragend
Unabhängigkeit (des Urteils) gutes Gedächtnis Freiräume und Zeit für Kreativität
Nonkonformismus Wissen und Knowhow selbständiges Handeln
Ausdauer aus Denkmustern ausbrechen fördernd
offen für neue Erfahrungen motivierend
Spontanität und Flexibilität neue Ideen unterstützend
Risikobereitschaft sehr gute Kommunikation: aktives Zuhören
Selbstbewusstsein
aktives Problembewusstsein
Komplexität
Von Kindheitsbedingungen abhängig:
Neugier
Interesse und Streben nach Anerkennung
Selbstvertrauen
Widerstandsfähigkeit
Originalität und Authentizität

Tab. aus dem Buch „Innovation und Kreativität“ von Michael A. West (1999), modifiziert und ergänzt von Manuela Pohl (2012).

Die Identifizierung von kreativen Persönlichkeitseigenschaften hat heute eine ähnliche Bedeutung wie die Bestimmung intelligenter Leistungsfähigkeiten. Beispielsweise werden in Eignungstests für Bewerber auch kreative Potentiale ermittelt. Die Reliabilität und Validität der verfügbaren Testverfahren ist jedoch sehr gering (Funke 2000). Einzig der Torrance Test of Creative Thinking weist passable Testgütekriterien auf. In vielen Stellenausschreibungen wird Kreativität wie selbstverständlich von qualifizierten und engagierten Mitarbeitern verlangt; von Führungskräften wird erwartet, dass sie die Fähigkeit zur kreativen Aufgaben- und Problemlösung besitzen und vorleben. Auf obigen Tabelle ist eine Vielzahl von kreativen Merkmalen aufgeführt, die kreative Einfälle begünstigen. Dazu zählen auch die kreativen Fähigkeiten wie z. B. Problemsensibilität, Flexibilität. Diese Eigenschaften und Fähigkeiten lassen sich zumindest teilweise fördern.

Natürlich lassen sich diese Merkmale und der Arbeitsstil nicht wie eine Checkliste zur Bestimmung der eigenen kreativen Persönlichkeit anwenden: „trifft zu“, „trifft nicht zu“. Persönlichkeiten sind zu komplex, um auf diese Weise analysiert zu werden und kreative Personen müssen nicht alle diese Eigenschaften aufweisen.

Kreativitätsfördernde Persönlichkeitsmerkmale

  • Ausdauer – Problemlöseprozesse und Herausforderungen sind nicht immer schnell zu erledigen, sondern erfordern ein überdurchschnittliches Energiepotential. Dies zeigt sich durch konstruktive Hartnäckigkeit, hohe Motivation und Frustrationstoleranz, das Ertragen von Ambivalenzen und ungelösten Spannungen sowie die Ablehnung von zu schnellen bzw. einseitigen Lösungen.
  • Neugier, Offenheit gegenüber externen Einflüssen – Kreative Menschen sind ständig auf der Suche nach Neuem und Unbekanntem. Sie wollen erkennen, verstehen, neu kombinieren, weiterspinnen und ausprobieren. Sie suchen nach abwechslungsreichen Erfahrungen, sammeln Informationen zu relevanten Themen, sind offen für die Umwelt und geben sich nicht mit einfachen Antworten zufrieden. Neugieriges Verhalten birgt auch ein gewisses Risiko, es lässt unsichere Situationen zu, es kokettiert mit „Gefahr“.

Kreatives Handeln setzt eine Auseinandersetzung mit der Umwelt, aber auch mit der eigenen Person voraus. Kreative Menschen sollten ihr Wahrnehmungsvermögen trainieren, da es für verschiedene Stufen des kreativen Prozesses notwendig ist. Denn Wahrnehmung wird genauer und umfassender, wenn sich bewusst auf die Umgebung, auf Menschen, Objekte und Geschehnisse konzentriert wird (Preiser/Buchholz 2008).

  • Spontanität – Kreative Menschen sind in der Lage, vom langfristigen Planen abzusehen, spontan zu handeln und zu reagieren. Sich nur an den eigenen Prinzipien und Gewohnheiten zu orientieren und nicht auch an äußeren Regelungen und Veränderungen in der Umwelt, „bedeutet Erstarrung und Verzicht auf Lebendigkeit“ (Preiser/Buchholz 2008).
  • Selbstvertrauen und innere Unabhängigkeit – Selbstvertrauen bedeutet, seinem Selbst zu vertrauen, sich etwas zuzutrauen; Selbstbewusstsein heißt, sich über sein Selbst bewusst zu sein. Wer sich über sich selbst bewusst ist, geht Schwierigkeiten nicht aus dem Weg, kann Konflikte ertragen und wird sich nicht kritiklos anpassen, sondern versucht, Gegebenheiten unvoreingenommen und unabhängig von anderen Menschen zu beurteilen. Unabhängigkeit äußert sich oft in nonkonformen und selbstsicheren Verhaltensweisen. Sie fördert konstruktiv-kritische Denkansätze und unterstützt die Überwindung konventioneller Barrieren und Denkblockaden (Pohl 2012).
  • Komplexität – Die Bereitschaft, vielschichtige Informationen, verschiedene Lebensentwürfe, unterschiedliche Gewohnheiten oder mehrere Lösungsansätze nebeneinander bestehen zu lassen, begünstigt wirklichkeitsnahe Problemwahrnehmungen und kreative Lösungen und ist eine gute Voraussetzung für eine umfassende und realistische Sicht auf die Umwelt.

Die an vielen Stellen nötige Reduktion von Komplexität kann zu einem „Schwarz-Weiß-Denken“ und einer vereinfachenden Sichtweise führen. Kreative Menschen favorisieren eher viele Baustellen mit unfertigen Entwürfen, mit parallelen Welten (z. B. ein Freundeskreis aus sehr unterschiedlichen Charakteren) und der Akzeptanz von mehrdeutigen Situationen (J. B. Gelatt 2003). Die Psychologie benutzt dafür den Begriff Ambiguitätstoleranz, d. h. die Fähigkeit, eine verwickelte, widersprüchliche und unsichere Situation aushalten und gleichwohl beharrlich an deren Bewältigung arbeiten zu können. Beispielsweise bei massiven Überschneidungen in der Aufgabenverteilung im Arbeitsalltag. Kreative Menschen werden von Ambivalenz, Widersprüchen, Unklarheiten und Komplexität nicht eingeschüchtert, sondern stimuliert. Komplexität trägt dazu bei, das mehrdimensionale Denken zu entwickeln. Voreingenommenheit und vorschnelle Vereinfachungen werden durch Komplexität verhindert.

Kreative Fähigkeiten, Verhaltensweisen und Denkstile

Als erstes stellt sich die Frage, welche Fähigkeiten einen entscheidenden Beitrag zur Entwicklung kreativer Ideen leisten. Preiser/Buchholz (2008) haben einen Katalog relevanter kreativer Fähigkeiten zusammengestellt:

  • Aktives Problembewusstsein – ist die Fähigkeit, Probleme zu erkennen. Voraussetzung dafür ist eine offene, kritische Haltung, die Veränderungen gegenüber aufgeschlossen ist und auch Bestehendes in Frage stellen kann. Das Bewusstsein für Verbesserungsmöglichkeiten wird geschärft. Ein gutes Beispiel dafür ist die Mitarbeit beim Vorschlagswesen.
  • Einfalls- und Denkflüssigkeit – ist die Fähigkeit, zu einem Thema in kurzer Zeit möglichst viele Ideen zu entwickeln. Diese Fähigkeit ist typisch für kreatives Denken. Flexibilität – ist die Fähigkeit, in unterschiedliche Richtungen zu denken, unterschiedliche Kategorien zu nutzen, ein Problem aus verschiedenen Perspektiven zu beleuchten; die gewohnten Wege des Denkens zu verlassen und neue Sichtweisen zu entwickeln.
  • Originalität – entsteht, wenn unkonventionelle und innovative Lösungen gefunden werden. Gefragt sind einmalige, seltene, ausgefallene, verrückte Einfälle.
  • Umstrukturierung – ist die Fähigkeit, Gegenstände, Informationen und Ideen in völlig neuer Weise zu sehen, anzuordnen und zu nutzen. Auch die Fähigkeit, neue Zusammenhänge herzustellen oder den Gebrauchswert von Gegenständen zu ändern, ist damit verbunden. Der Blick für neue Ordnungen und Sichtweisen wird geschärft.
  • Ausarbeitung – damit ist das Anpassen der Ideen an die Realität gemeint; die Idee in einen konkreten und realistischen Plan umzusetzen (Detailreichtum, Einbindung von Wissen, Unterscheidung guter und schlechter Ideen, Anstrengungsbereitschaft, Energieeinsatz).
  • Durchdringung – ist die Fähigkeit, ein Problemgebiet in Gedanken gründlich zu durchdringen. Intensität führt zum Kern des Problembereichs.

Voraussetzung für das Entwickeln von kreativer Kompetenz ist zunächst das Erkennen von Stärken und Schwächen, die Sie in Bezug auf die oben genannten Kreativitätsfähigkeiten aufweisen. Selbstreflexion, Kritikfähigkeit und der Mut zur Veränderung, aber vor allem der Glaube an die eigene Kreativität sind hierfür entscheidend (Pohl 2011). Außer diesen kreativen Fähigkeiten gibt es individuelle Persönlichkeitseigenschaften wie Konflikt- und Frustrationstoleranz, Vitalität, psychische Stabilität, Geduld, Eigensinnigkeit, Motivation und Interesse, die zusätzlich das kreative Potential einer Person beeinflussen und begünstigen.

Der kreative Prozess

Da die kreativen Denkprozesse weitgehend unbewusst ablaufen, werden kreative Einfälle oft als Eingebung einer überpersönlichen Intelligenz oder Wesenheit (InspirationMusenkuss usw.) oder als ein mystisches Geführtwerden erlebt.

Beim Menschen kommt der weniger begrifflich-isolierenden und logisch-kausalen, dafür aber nonverbal, assoziativ und ganzheitlich denkenden (in der Regel rechten) Hirnhälfte für kausale Problemlösungen eine besondere Bedeutung zu (H. B. Gelatt/C. Gelatt 2003). Beteiligt am kreativen Denkprozess sind aber letztlich beide Hirnhälften.

Ein wichtiger Prozess ist dabei die konzeptuelle Neukombination, d.h. die Erschaffung neuer Wissensstrukturen durch das Verknüpfen von zuvor unterschiedlichen Konzepten oder, alternativ, die Neuordnung von Elementen innerhalb eines Konzepts.[39] Entsprechend ist das Vorhandensein sowohl von allgemeinem Wissen als auch fachspezisch vertieftem Wissen für Kreativität von Bedeutung, wobei letzteres vor allem bei Experten wichtig ist.[40] Daraus ergeben sich praktische Konsequenzen: Um Informationen neu kombinieren und verarbeiten zu können, müssen sie durch Lernen im Gedächtnis vorhanden sein. Kreativität im weitesten Sinn beruht auf der Fähigkeit, die Lücke zwischen nicht sinnvoll miteinander verbundenen oder logisch aufeinander bezogenen materiellen und nichtmateriellen Gegebenheiten durch Schaffung von Sinnbezügen (freie Assoziation) mit bereits Bekanntem und spielerischer Theoriebildung (Phantasie) auszufüllen.

Über Denkprozesse hinaus wird der kreative Prozess traditionell als Abfolge von fünf Schritten oder Phasen definiert (Csikszentmihalyi, 1996):

  • Vorbereitungsphase
  • Inkubations- bzw. Reifungsphase
  • Einsicht bzw. Aha-Erlebnis
  • Bewertung
  • Ausarbeitung.

Diese Phasen treten jedoch selten in Reinform auf und sind eher rekursiv als linear. Diese Einteilung geht zurück auf das 4-Phasen-Modell von Graham Wallas aus dem Jahr 1926, das auch heute noch vielen Phasen-Theorien zugrunde liegt.

Nach Csikszentmihalyi (1996) tritt im kreativen Schaffensprozess oft ein besonderer Bewusstseinszustand – eine Art Trance – auf, der als Flow (Fließen) bezeichnet wird und meist mit einem vorübergehenden Verlust des Zeitbewusstseins einhergeht. Dieser Zustand ist zugleich konzentriert und dissoziativ. Kreative Prozesse können auch im Schlaf oder Halbschlaf ablaufen. Berühmte Beispiele sind Nikola Teslas Vision von der Drehstrom­übertragung oder Friedrich August Kekulés Traum von der Benzol­formel.

Kreativitätstechniken sollen den kreativen Prozess unterstützen, kanalisieren, beherrschbar machen und zielgerichtet optimieren. Dazu rechnet man u. a. die Synektik, das Brainstorming, De Bonos Six Thinking Hats u. v. a., in den Ingenieurwissenschaften z. B. auch TRIZ oder die Kepner-Tregoe-Matrix.[41]

Das kreative Produkt

Vor allem bei Alltagskreativität geht es eher um den Nutzen für den Kreativen selbst, z. B. eigene Probleme zu lösen oder negative Erfahrungen zu verarbeiten.[42] Die Eigenbewertung unterliegt dann entsprechend anderen Maßstäben als bei herausragende Kreativität. Wie bewertet der Einzelne seine Kreativität und sein daraus entstehendes Problemlösungsverhalten? Bei herausragender Kreativität steht eher die Bewertung durch andere Menschen im Vordergrund, also die Frage, wie der Einzelne von außen über seine Kreativität und die dadurch entstehenden Problemlösungsfähigkeiten bewertet wird[43].

Eine subjektive Sichtweise jeder einzelnen Person ist in der Bewertung nicht auszuschließen, da jedes Individuum nach eigenen Kriterien bewertet, wenn es keine Normwerte zur Verfügung hat und keine allgemeingültige, weil bekannte und gleichzeitig gültige und verlässliche Definition von Kreativität zur Bewertung herangezogen wird. Das bedeutet, dass durch die mangelnde Definition des Begriffs die Wertung eines einzelnen Individuums fast immer subjektiv ausfällt und erst eine Gruppe von Menschen mit ihren verschiedenen Maßstäben zur Messung von Kreativität und einer internen Absprache von Regeln zur Definition dazu in der Lage ist, Kreativität neutral und nach verschiedenen, vorher festgelegten Gütekriterien zu bewerten und zu messen. Eine Gruppe legt die Normwerte fest, der Einzelne kann mit diesen konform gehen oder nonkonform sein.

In der psychologischen Diagnostik gibt es unterschiedliche Ansätze zur Erfassung der individuellen Kreativität. Auf Grund des komplexes Konzepts der Kreativität beschränken sich die Messverfahren meist nur auf spezifische Teilaspekte. Im Berliner Intelligenzstrukturmodell wird beispielsweise mit der Komponente „Einfallsreichtum“ die spezifische Fähigkeit zur flüssigen, flexiblen und originellen Ideenproduktion erfasst.

In der Kunst erfordert der hier geltende Innovationszwang, dass Kreativität mit Normenbruch, also dem Verstoß gegen tradierte Normen einhergeht.

Das kreative Umfeld

Die Bewertung von Kreativität durch eine soziale Gruppe erweist sich als Barriere, wenn eine Problemlösung von der Gruppe für nicht durchführbar gehalten und verworfen wird. Das kann bei Spracharmut der Gruppenmitglieder ohne jegliche Begründung geschehen. Ein nonkonformes Individuum wird bei dieser Konstellation unterdrückt oder ausgegrenzt.[44] In seltenen Fällen wurden Kreative als verrückt angesehen, die jedoch nach ihrem Ableben gefeiert wurden. Diese Reaktion entspringt dem Gruppengefühl und dem Bild, das eine Gruppe von sich selbst hat. Jeder, der mit der Gruppe konform ist, bringt weniger Störungen und vermeintlich weniger Rückschläge in den Erfolgen der Gruppe.

Forschungen in der Sozialpsychologie von Schlenker und Weigold zufolge gehen Kreative in dem Maße nicht konform, in dem das Problem nach ihren Kriterien nicht anders zu bewältigen ist. Albert Einstein, der Erfinder der Relativitätstheorie, wird in seiner Biografie als aufbrausend und von Selbstvorwürfen geplagt beschrieben. Die Gründe hierfür dürften in dem anfänglichen Unverständnis der Fachkollegen für die Kreativität Einsteins und deren Resultate gelegen haben, wie auch in seinem nonkonformistischen Durchsetzungswillen.

Anregung und Herausforderung spielen bei der Entwicklung einer kreativen Lebenseinstellung eine besondere Rolle. Eine Herausforderung kann zu existenziellen Veränderungen führen. Erziehungs- und Bildungseinrichtungen, in denen auf Ermutigung Wert gelegt wird, fördern die Kreativität (Frederick Mayer).

Wird eine Idee von verschiedenen Menschen nacheinander gedanklich einer Überprüfung unterzogen, kann es geschehen, dass diese erst spät für durchführbar erklärt wird. So zum Beispiel das erste Fluggerät nach den Zeichnungen von da Vinci oder die Entwicklung des ersten Fernglases durch die Entdeckung Galileo GalileisPicassos kubistische Werke wie Der Mann an der Gitarre von 1918 und seine Collagen entstanden durch die Vorstellungskraft des Einzelnen. Joan Miró und sein Werk sind ein Beispiel für die bildhauerischeKunst, und Friedensreich Hundertwasser mit seinen architektonischen Höchstleistungen sollte auf diesem Gebiet erwähnt werden.[45]

Vielfach wird Kreativität erst als solche bezeichnet und bewertet, wenn sie einhergeht mit einer völligen Neudefinition bekannter und akzeptierter Gesetzmäßigkeiten oder Bereiche; berühmte Beispiele dafür sind Arnold Schönberg (Zwölftonmusik), Pablo Picasso (Kubismus), Albert Einstein (relative Sicht von Zeit und Raum). Der Bruch mit alten Vorstellungen und Normen und die Schaffung eines neuen Paradigmas, verbunden mit der dazugehörigen Unsicherheit des Unbekannten, Unbewiesenen oder Spekulativen, verdeutlichen gleichzeitig, warum Kreativität im sozialen Kontext immer wieder einen schweren Stand hatte und bis heute in vielen Gesellschaftsbereichen um Anerkennung ringen muss.

Die unterschiedlichen Kulturen der Menschheit, deren Gepflogenheiten und das Lebensumfeld bringen immer wieder neue Formen der Verarbeitung und Rekombination der in ihr vorhandenen Materialien und Ideen hervor, so dass sich die Herkunft der kreativen Lösungen nicht immer nachweisen lässt.

Kreatives Milieu

Der Begriff des kreativen Milieus wurde durch die sog. GREMI-Gruppe („Groupe de Recherche Européen sur les Milieux Innovateurs“) geprägt. Seit 1984 forscht eine Gruppe französischer Soziologen und Regionalwissenschaftler nach den Ursachen für die Unterschiede in der Innovationsfähigkeit und -tätigkeit verschiedener Regionen. Die Gesamtheit der Beziehungen in einem kreativen Milieu soll, eingebunden in das soziokulturelle Umfeld (Embeddedness), nach Roberto Camagni (1991) zu einem kreativen kollektiven Lernprozess führen. Als Voraussetzung für die Realisierung gelten neben der räumlichen Nähe auch das Vorhandensein von gemeinsamen Wertvorstellungen und Vertrauen, Zugehörigkeitsgefühl, ein zusammenhängender Wahrnehmungsraum, gemeinsame organisatorischer Formen und Methoden, die Unsicherheit reduzieren, sowie reger Austausch und niedrige Transaktionskosten.[46]