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Wall betreibt seit Jahren automatische Toilettenhäuser in Berlin als Teil des Stadtmöblierungsvertrages mit dem Senat der Bundeshauptstadt. Wie seit Jahrzehnten etabliert (re)finanziert der Außenwerber den Aufwand mit Plakatflächen. Doch damit ist ab 2019 Schluss – Wall musste sich dem Druck der Politik beugen. Ein Trend der werbefinanzierte Stadtmöblierung in Zukunft verbietet?

Es sind schon ungewöhnliche Zeiten in Berlin – das Interesse internationaler Investoren wächst spürbar in der Hauptstadt zu investieren. Doch die Rot-Rot-Grüne Senatsverwaltung der 3,5 Mio Einwohner Stadt unternimmt alles, um neue Unternehmensansiedlungen zu vermeiden. Während Städte weltweit um die Ansiedlung von Google und Co buhlen, hat man In Berlin alle Hände voll zu tun, um einen Google Campus zu verhindern. Die FAZ veröffentliche dazu heute einen lesenswerten Artikel „Wirtschaftspolitik in Berlin: Wir wollen euer Geld nicht“ (Link hinter Paywall)

Aufmacher des Artikels sind die Toilettenhäuschen des Außenwerbers Wall AG. Diese seit vielen Jahren etablierten und gut genutzten Stadtmöblierungsangebote wurden bisher von der Wall AG aufgebaut, betrieben und über Plakatstellen refinanziert. Doch damit ist jetzt nach Wunsch der Senatsverwaltung Schluss. Die Toilettenhäuschen müssen abgebaut werden und durch neue, werbefreie ersetzt werden. „Das ist der Senatsverwaltung wichtig: dass der bisherige und künftige Betreiber der Toilettenhäuschen, die in Berlin ansässige Wall GmbH, nicht mehr hemmungslos, geradezu unkontrolliert mit der Werbung auf ihren Toilettenhäuschen Geld verdienen kann und die öffentliche Toiletten-Versorgung nicht mehr vom „Grad der Kommerzialisierung des öffentlichen Straßenlandes durch Werbeanlagen“ abhängt. Werbung und Toilettenbetrieb werden von nun an sauber getrennt.“, so beschreibt die FAZ den aktuellen Stand an der Toilettenfront.

Vandalismus werbefinanzierter Wall-Toiletten in Berlin (Foto: wall AG)
Vandalismus werbefinanzierter Wall-Toiletten in Berlin (Foto: wall AG)

Zum ersten Mal in der Geschichte hat sich Wall vom bewährten Geschäftsmodell verabschiedet. Auf Druck der Politik und als Zugeständnis während der Out of Home Ausschreibungen der vergangenen Monate. Die von JC Decaux seit den sechziger Jahren etablierte Aufgabenteilung – kostenlose Stadtmöblierung gegen Werbeeinnahmen von integrierten Plakatstellen – wird in Berlin in Bezug auf die öffentlichen Klohäuschen nicht mehr akzeptiert.

Bei Bushaltestellen und anderen Stadtmöblierungen hält man in Berlin aber noch an der bewährten Aufgabenteilung fest. Zurzeit jedenfalls noch. Die Wall AG musste bei den öffentlichen Toiletten in den sauren Apfel beißen und auf Werbeeinnahmen verzichten, konnte dafür aber die verschiedenen OoH-Ausschreibungen in Berlin wieder-gewinnen.

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Doch die Frage stellt sich – und nicht nur in Berlin – welche Rolle die Außenwerber in Zukunft bei Smart City Konzepten übernehmen können. Die Investitionen in digitalen Stelen und Sensoren werden stark steigen und neue Formen der Refinanzierung werden gesucht. Wenn Städte wie Berlin jetzt schon bei Plakatflächen an Toilettenhäuschen eine rote Linie überschritten sehen, werden die Optionen für industrie-finanzierte Smart City Infrastruktur schnell ausgehen. Denn Datenvermarktung ist erst recht ein rotes Tuch. Wie also, wenn nicht durch Außenwerbung sollen die notwendigen Einnahmen für die Industrie erzielt werden. Die Politik bleibt bisher Antworten schuldig.

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